Was ist Agilität?

Habe gerade mal wieder in den Blog von Ken geschaut und seine Anmerkungen zu den offenen Fragen an ihn von der Agile Alliance Conference gelesen. Er bringt es mal wieder auf den Punkt: Das wichtigste sind Werte und Prinzipen – stellvertretend dargelegt durch das Agile Manifest.

Agil(ität) ist, was auf die Werte des Agilen Manifests einzahlt bzw. versucht einzuzahlen. Der letzte Part scheint auf die doch recht schwierige Realität der Einführung eines agilen Mindsets abzuzielen.

Ich höre sowohl bei Jeff als auch bei Ken so langsam raus, dass das Alles-oder-Nichts-Prinzip einem Pragmatismus weicht, der akzeptiert, dass Organisationen eine lange Übergansphase brauchen, bis Agilität konsequent gelebt werden kann. Das relativiert frühere Aussagen zum Thema ScrumBut. Allerdings heißt dies aber nicht, dass Agilität im Ergebnis halbherzig implementiert werden darf. Es gibt wohl nichts schlimmeres als unzureichend gelebte agile Prinzipen. Dem würde ich weiterhin ein hartes Command-und-Control vorziehen.

Auf die Frage, was dem Agilen Manifest noch Sinnvolles hinzugefügt werden könnte, schreibt Ken folgendes:

Wir wertschätzen Praktiken, Werkzeuge, Beratung, Coaching und organisatorische Anstrengungen, die kontinuierlich die Befolgung des Agilen Manifests verbessern

über

Werkzeuge, Produkte, Methoden, Prozesse, Praktiken, die das Wort „agil“ lediglich zur Selbstvermarktung und eigenem Profitstreben verwenden, und wo der Zusammenhang zum Agilen Manifest eher zufällig entsteht.

Das ist ja mal eine Aussage. Da können sich einige Tool-Hersteller und Consultants mal an die eigene Nase fassen. Diese Beobachtung macht man allerdings bei disruptiven Veränderungen häufiger. Alter Wein in neuen Schläuchen ist immer einfacher zu verkaufen, als was Neues zu entwickeln und es neben das Vorhandene zu stellen. Soetwas habe ich in den 1990ern z.B. bei der Einführung von Objektorientierung das erste Mal beobachten können. Plötzlich war jedes etablierte Tool objektorientiert, obwohl dessen DNA was ganz anderes vermuten ließ.

Was heißt das für uns Praktiker? Wir müssen immer wieder darauf hinweisen, dass Agilität bestimmte Rahmenbedingungen definiert, deren Unterwanderung nicht zu der gewünschten Verbesserung führen wird. Das ist besonders wichtig für den Entscheidungsraum des Managements. Hier sind nur selten die Kontexte so klar, dass an alles gedacht wird, alle Konsequenzen bedacht werden, wenn Agilität offiziell auf die Organisation losgelassen wird. Das ist eine zermürbende Arbeit, da der Markt Agilität ganz bewußt so interpretiert, dass der Verkauf von Tools und Konzepten auch mit dem „alten Zeug“ munter weiter laufen kann.

Leider werden die Konsequenzen immer erst zum Schluß klar, wenn Agilität dann die Schuld auf sich nehmen muß, dass die Verbesserung nicht eintrat. Jedoch darf nicht vergessen werden, dass Agilität nur den Rahmen neu definiert, in dem die Menschen der Organisation Ihre Beziehungen untereinander neu ausrichten müssen, damit der Change gelingt. Passiert diese Ausrichtung nicht oder nur halbherzig, so kann Agilität nicht gelingen. Dann sollte man lieber die Finger davon lassen.