Lisa’s Welt (Nr. 1): Motivation

So ein schlaues Töchterchen kann bei der Diskussion um Allerweltsthemen ganz schön nachdenkliche Kommentare in den Raum stellen. So passiert es nicht selten, dass sie Dinge hinterfragt, die einem selbst kaum mehr auffallen, aber durchaus konträr zu dem Wertesystem stehen, das man allgemein hin vermittelt.

Das schlaue Töchterchen deckt solche Brüche gekonnt auf. Warum z.B. leben wir in einer Demokratie, aber die Strukturen in Unternehmen bilden dies nur bedingt ab, wäre dann eine entsprechend konsequente Frage. In ihrer Welt gilt Demokratie schließlich uneingeschränkt – und eigentlich sollte das in der Erwachsenenwelt auch so sein ;-).

In „Lisa’s Welt“ soll das neue Wertesystem für Unternehmen des 21. Jahrhunderts näher beleuchtet werden. Dies setzt auf emirischen Erkenntissen in Management und Produktion seit den 1950er Jahren auf. Erkenntnisse die nicht zuletzt zur Entwicklung von Agilität geführt haben. Und natürlich soll auch ein Blick darauf geworfen werden, warum diese Erkenntnisse manches Mal bewußt oder aus Unkenntnis der Zusammenhänge nicht angewandt werden.

Hier nun die erste Erkenntnis:

Lisa: „Papa, warum schauen die Leute auf dem Foto so lustlos aus?“
Papa: „Na ja, die haben viel zu tun. Und manche Sachen sind sehr anstrengend, weil die Dinge nicht so getan werden können, wie man es gerne tun würde.“
Lisa: „Und warum tun die die Dinge dann nicht einfach so wie sie das wollen?“
Papa: „In Unternehmen können die Leute machmal nicht selbst bestimmen, wie was gemacht wird. Das ist erst mal kein Problem, wenn die Regeln, nach denen sie arbeiten sollen, funktionieren. Leider wird machmal etwas Wichtiges übersehen, oder es verändert sich was und dann wird vergessen die Regeln anzupassen. Dann passen diese Regeln halt nicht. Und die Leute müssen dann anders arbeiten als sie es eigentlich wollen.“
Lisa: „Da sind die dann bestimmt verärgert.“
Papa: „Klar. Wenn sie mehr Zeit in etwas stecken müssen, die Zeit aber lieber für etwas anderes verwenden würden, was dann mehr Sinn für sie ergibt, ist das schon ganz schön demotivierend.“
Lisa: „Was heißt demotivierend?“
Papa: „Wenn Du auf etwas ganz viel Lust hast und Du darfst es aber nicht so machen, wie Du möchtest, verlierst Du schnell die Lust. Mußt Du es aber trotzdem machen, dann demotiviert Dich das. Die Lust wird weniger und weniger, und der Ärger immer größer. Wenn Du zu etwas keine Lust hat, kann das ganz schön anstrengend sein.“
Lisa: „Du meinst so was wie Hausaufgaben?“
Papa: „So ungefähr. Natürlich kannst Du keine Lust auf Hausaufgaben haben. Auch die Leute müssen manchmal Dinge tun, die sich nicht ganz so interessant finden. Dafür gibt es aber auch immer Dinge dabei, die sie sehr spannend finden.“
Lisa: „Du meinst so was wie Bilder malen für den Kunstunterricht?“
Papa: „Bilder malen tust Du ja ganz gerne. Genau. Jetzt stell Dir aber mal vor, ich würde Dir vorgeben wie Du die Bilder zu malen hättest. Du sollst z.B. immer mit der linken Hand malen.“
Lisa: „Aber das kann ich doch gar nicht gut. Das ist sehr anstrengend.“
Papa: „Siehst Du, da hast Du jetzt verstanden, warum die Leute demotiviert sind. Es enspricht nicht ihrer Erfahrung und ihrem Können, und es ist auf Dauer sehr anstrengend und frustrierend. So wie für Dich mit der linken Hand zu malen.“
Lisa: „Wenn die Leute sich dabei gar nicht wohl fühlen und die Regeln manchmal nicht sinnvoll sind, da wäre es doch viel besser die Leute selbst bestimmen zu lassen wie sie die Dinge tun.“
Papa: „Stimmt. Dann wären sie immer motiviert, das wäre eine prima Sache. Aber selbst wenn überhaupt erkannt wird, dass die Leute demotiviert sind, wird Dein Vorschlag nicht als ein Lösungsweg gesehen. Der Zusammenhang wird einfach nicht erkannt. Stattdessen versucht man die Leute zu motivieren. Sogar indem man ihnen Geld verspricht, wenn sie den Regeln folgen.“
Lisa: „Waaaas?! Man demotiviert die Leute erst und versucht sie dann zu motivieren?“
Papa: „Ja, das klingt etwas seltsam. Allerdings glaubt man hierbei, das man Leute tatsächlich motivieren kann. Und natürlich werden Regeln immer im Glauben aufgestellt, das sie den Leuten helfen werden. Dann wissen ja alle wie die Dinge am Besten gemacht werden.“
Lisa: „Das heißt, man kann die Leute ruhig demotivieren, weil sie ja anschließend wieder motiviert werden können?“
Papa: „Das glaubt man so. Allerdings zeigt die Erfahrung auch, dass die Leute solche Sachen nicht einfach vergessen können, über die sie sich geärgert haben. Wenn so etwas öfters passiert, haben sie grundsätzlich weniger Lust die Sachen zu tun. Deshalb ist es besser demotivierende Momente erst gar nicht enstehen zu lassen.“
Lisa: „Du meinst ich könnte die Lust am Malen verlieren, wenn ich immer wieder mit Links malen müßte? Obwohl ich ja eigentlich gerne male?“
Papa: „Ja, so könnte das passieren. Theoretisch könntest Du natürlich besser werden mit der Zeit mit Links zu malen. Aber letztendlich weißt Du, dass das nicht der richtige Weg für Dich ist. Und das reicht aus, irgendwann die Lust zu verlieren, wenn Du an der Situation nichts ändern darfst. Selbst wenn ich Dir Dein Taschengeld erhöhen würde, damit Du nur noch mit Links malst.“
Lisa: „Mehr Taschengeld wäre schon klasse. Aber wenn ich dann die Lust am Malen verliere, wäre das schon blöd.“
Papa: „Geld ist eben nicht alles. Und es ist viel besser, wenn man aus sich selbst heraus die Dinge tut. Auf Dauer funktioniert es eben nicht, von Außen beeinflußt Dinge zu tun, die einem nicht liegen.“
Lisa: „Ich male jetzt mal ein Bild auf dem die Leute fröhlich gucken.“
Papa: „Und würdest Du es mal mit Links probieren?“
Lisa: „Bestimmt nicht. Ich entscheide selbst, wie es am besten geht.“