Lebensinhalt, Selbstbewußtsein, Coaching und Leadership

Ich bin heute auf einen interessanten Beitrag im TedTalk-Universum gestoßen. Dieser befaßt sich mit der Definition des eigenen Lebensinhalts. Parallel dazu traff ich auf den Beitrag zum Thema Selbstbewußtsein. Das sind ziemlich persönliche Themen, die das Verhältnis zu unserer eigenen Person beleuchten. Gleichzeitig definieren sie aber auch unser Verhältnis zu anderen, mit denen wir interagieren.

Ich finde beide Beiträge deshalb spannend, weil sie für mich im Selbstverständnis um Coaching und Leadership zentrale Bausteine unseres Wertesystems im Umgang mit anderen sind. Wer nicht in sich ruht, wobei Selbstbewußtsein zweifelsohne für mich eine wichtige Rolle spielt, oder nicht weiß wofür er steht, also Fragen des Lebensinhalts nicht beantworten kann, wird es schwer haben, anderen Halt und Anleitung in ihrer eigenen Weiterentwicklung zu geben, also ein brauchbarer Coach und Leader zu sein. Die Beiträge geben Hinweise auf diese Grundlagen.

Selbstbewußtsein geben, ist für mich in erster Linie Freiräume zu schaffen, um Fehler machen und aus diesen lernen zu können. Viele haben verlernt ihrem Gefühl zu folgen und intuitiv das Richtige zu tun. Wer zig Mal gesagt bekommt, dass er mit seiner Einschätzung nicht richtig liegt, gibt irgendwann auf. Mein Credo ist allerdings: „Das erste Gefühl ist immer das Richtige“.

Wer sich lange genug mit einer Sache beschäftigt hat, weiß um die Dinge und kann sie entsprechend gut einschätzen. Leider lassen viele unserer heutigen Organisationen noch zu Wünschen übrig, was die Anwendung dieses unterbewußten Wissens um die richtigen Entscheidungen angeht. Lieber folgt man einem wenig involvierten Entscheider, der vielleicht sogar das Unterbewußte gänzlich verneint, da es ihm zu irrational erscheint, als dem Bauchgefühl der Mitarbeiter zu folgen. Dabei hat die Forschung gezeigt, das unsere Ratio kaum in der Lage ist die „richtige“ Entscheidung noch vor der Ausführung der notwendigen Reaktion zu verarbeiten.

Wie im Video mehrfach betont, sehe ich auch das Hervorheben der Erfolge als maßgebliches Mittel an, das Selbstbewußtsein zu stärken. Wer Kinder hat und dieses Prinzip anwendet, merkt schnell wie gut das funktioniert. Sie trauen sich mehr zu und überraschen einen dann mit Dingen, auf die man selbst nie gekommen wäre. In Teams funktioniert das ebenso, wenn man es erst einmal geschafft hat die mentalen Limitierungen, die sich Mitarbeiter selber auferlegen, zu durchbrechen. Die Sprint Retros verwenden dieses Prinzip ebenfalls erfolgreich auf Teamebene.

Überzeugen als Coach kann ich natürlich nur dann, wenn ich selbst dieses Selbstbewußtsein ausstrahle. In den Umgebungen, in denen Agilität erst noch etabliert werden muß, ist es zudem sehr hilfreich, dass man für dieses Thema auch brennt. Hier paaren sich Selbstbewußtsein, also das Wissen das Richtige zu tun, mit der Erkenntnis aus tiefster Überzeugung, das es richtig ist, es (jetzt) zu tun.

Hier wären wir auch schon beim Lebensinhalt, also der Frage „Warum mach ich das eigentlich?“ Es muß mir ein inneres Bedürfnis sein zu helfen, in dem Bewußtsein, dass es in positivem Sinne auch auf mich zurückfällt, wenn ich dies tue. Als Coach muß ich die Menschen lieben und respektieren, um ihnen wirklich helfen zu können. Ich muß mich in sie hinein versetzen können, ihre Einzigartigkeit anerkennen und verstehen, empathisch sein, auf gleicher Ebene mit ihnen kommunizieren und ihnen beistehen auf ihrem Weg der eigenen Weiterentwicklung. Und dieser kann lang sein. Ich darf also nicht aufgeben, muss mit dem Mitarbeiter zusammen geduldig auf das Ziel hinarbeiten und an den Erfolg glauben und darauf vertrauen, dass er sich einstellt. Getreu dem Motto: „Geduld ist die Tugend der Erfolgreichen.“

Vertrauen ist ein wichtiger Aspekt in der Agilität. Leadership setzt auf selbstverantwortliches Handeln, sich zurück zu nehmen, auch wenn erst mal alles vermeintlich falsch gemacht wird, um die Mitarbeiter lernen lassen zu können. Geduld ist wichtig, damit der Mehrwert entstehen kann, der durch Command-und-Control und Micromanagement nicht erreicht wird. Allerdings ist Vertrauen auch eine heikle Sache. Hier treffen zwei Pholosophien aufeinander (X-Modell, ich muß alles kontrollieren) und (Y-Modell, die Leute werden es schon richtig machen). Wer ohne Zweifel sagen kann, „Ich vertraue dem anderen zu 100%. Mir muß erst einmal jemand beweisen, dass ich ihm nicht vertrauen kann“, der wird mit Agilität im Unternehmen keine Schwierigkeiten haben.

Da wären zum Schluss noch die Antworten zu den fünf Fragen aus dem Video zum Lebensinhalt offen, also die ganz persönliche Kaufüberredung im Aufzug (Elevator Pitch). Heute würde ich diese so beantworten wollen:

Wer bist Du? Rainer 😉
Was tust Du? Inspirieren
Für wenn tust Du das? Leute, die offen dafür sind, sich kontinuierlich zu verbessern
Was wollen diese Leute und was benötigen sie? Effizienter werden in ihrem Tun; Den Willen innere Stärken zuzulassen
Wie verändern sich diese Leute als Folge davon? Sie überraschen mit Innovationen, die meine ursprünglich gedachten Lösungen weit übertreffen – und machen meine Anwesenheit fast überflüssig, was ein gutes Gefühl in mir auslöst