Geht Scrum überhaupt im klassischen Projektumfeld?

Die kurze Antwort: aber klar!

Natürlich bekommt man in einer gemixten Projektumgebung (klassisch, agil; also einem ScrumBut) nicht die Effizienzsteigerungen, wie man sie in einer reinen Scrum-Umgebung bekommt. Aber eine Effizienzsteigerung ist immer drin. Wie hoch diese ausfällt hängt stark vom Commitment des Managements ab.

Das Mindset wird komplett gedreht. Die größte Herausforderung: dem Team die Entscheidungen überlassen im Vertrauen, dass die anfängliche Verschlechterung in der Performance (der Prozess muß erst gelernt werden) später in eine Effizienzsteigerung gegenüber der Ausgangssituation umschlägt. Das ist natürlich nicht einfach, wenn das Projekt schon Probleme hat bei Termineinhaltung und/oder Qualität. 3 Sprints muss man einkalkulieren, bis sich das Team eingeschwungen hat. 9 Sprints braucht es, bevor das Optimum erreicht ist. Je besser das agile Umfeld, desto besser das Ergebnis.

Eine weitere Herausforderung ist der Rollenwechsel, z.B. bei Teamleitern. Diese geben nicht mehr vor, sondern müssen zuschauen, wie die Teams erst mal in die falsche Richtung laufen, und dies ertragen, bis die Teams ihren Irrtum erkannt haben. Nur aus eigenen Fehlern lässt sich wirklich gut lernen. Für Scrum Master besteht die Herausforderung darin, immer wieder daran zu erinnern, dass der Manager zum Coach mutieren muss. Es wird nichts mehr angeordnet, sondern durch geschicktes Nachfragen in die richtige Richtung gelenkt.

Was bleibt über von der klassischen Projektleitung? Im Wesentlichen die Präsentation des Projekts nach Außen und das vom Kunden und Management geforderte Berichtswesen. Allerdings ändert sich hierbei die Ausgangsbasis. Das Scrum Team gibt hier die Schätzungen vor. Man kann davon ausgehen, dass diese Zahlen realistischer sind.

Scrum deckt übrigens gnadenlos alle Probleme auf. Wer das zu nutzen weiß, indem er ebenso gnadenlos an der Beseitigung von Impediments arbeitet, holt am Ende sogar mehr raus ;-).